Zweiter Versuch (Santiago de Chile1)

IMG_0001bGive it a chance to at least see a good part of Santiago, you´re gonna have a good time.“ schrieb mir Ignacio auf facebook. Ignacio wohnt in Santiago de Chile und er hatte recht.

Santiago de Chile, die Sadt, die mich meiner Wertsachen und meiner Möglichkeit Weiterzureisen beraubt hat. Hier hing ich nun fest und auch mehr oder weniger einfach nur rum. Ich musste ca. 5 Tage auf meinen Pass und Geld warten und mich nach neuer Kamera, neuem Handy und neuem mp3-Player umsehen. Andererseits wurde mir durch das Warten auch Zeit geschenkt. Ich hatte nun eine Woche um mir zu überlegen, wo die Reise hingehen soll. In der Zeit sah ich andere Reisende kommen und gehen. Immer mal wieder musste ich sagen: Nein, ich kann nicht mit euch weiterreisen, ich muss auf meinen Pass warten (und genug Geld hatte ich auch nicht übrig). Irgendwann verging mir dann die Lust mit den Leuten im Hostel zu kommunizieren.

Doch ich hatte unerwarteterweise andere schöne Erlebnisse. Eins davon war meine zweite Besichtigung des San Cristobal Hills, der Ort, an dem es passierte. Bis nach ganz oben hatte ich es ja beim ersten mal nicht geschafft. Doch ich war fest entschlossen die Stadt noch einmal von dort oben zu sehen. Diesmal nahm ich allerdings die Seilbahn. Auf dem Berg traf ich Camila, die mich bat ein Foto von ihr zu machen. Da ich noch keine neue Kamera hatte und mich auf einem Aussichtspunkt befand, bat ich sie auch Fotos von mir zu machen und sie mir zu schicken. Wir hatten viel Spaß damit uns gegenseitig zu fotografieren. Camila ist eigentlich aus Kolumbien und lebt jetzt mit ihrem Freund in Los Angeles. Sie ist schon viel gereist, bot mir auch gleich ihre Couchsurfing-Couch bei sich zu Hause an und gab mir eine Couchadresse in Neuseeland. Vielleicht werde ich das später einmal nutzen. Abends gingen wir zusammen zur Metrostation. Sie fuhr weiter zum Flughafen, ich ging zurück ins Hostel.

Der Tag als Deutschland gegen Frankreich spielte, war ein Freitag und auch der Tag an dem ich meinen Pass abholen konnte. Mit diesem nigelnagelneuen Pass wollte ich auf dem Rückweg endlich das Geld meiner Eltern bei einer Bank mit Western Union-Transfer einlösen, da meine Kreditkarte noch gesperrt war. Doch ich fand keine Bank, sondern Deutschlandfahnen und lustige Hüte in schwarz rot gelb an einer Häuserecke. Ich sah Menschen hineingehen und folgte ihnen einfach. Am Eingang erfuhr ich, dass es eine Art deutsch-chilenischer Sportclub war, zeigte meinen nigelnagelneuen Pass vor und wurde auch ohne Clubmitgliedschaft reingelassen. Dort fand ich mich nicht nur zwischen der feinen Gesellschaft aus Chile wieder, sondern vor allem zwischen vielen chilenischen Schülern, die Jacken mit der Aufschrift: „Deutsche Schule Santiago“ trugen. In einem großen Raum wurde auf einer Leinwand das Spiel übertragen. Zwei Mädchen erzählten mir, dass der Sportclub zur deutschen Schule in Santiago gehört. Dort lernen die Schüler deutsch als erste Fremdsprache, können das Abitur machen und einen Schüleraustausch in Deutschland. Viele ihrer Vorfahren sind aus Deutschland nach Chile eingewandert. Besonders im Süden des Landes gibt es viele deutsche Kolonien. Das alles erfuhr ich, während ich mich mit den chilenischen Mädchen ganz bequem auf deutsch unterhalten konnte. Nach zwei Wochen nur Englisch und gebrechlichem Spanisch war das mal ganz angenehm. Die Mädchen haben mich nach dem Spiel sogar noch ein Stück in ihren Auto mitgenommen, natürlich in einem VW. Später erzählte mir allerdings ein Chilene, dass die feine deutsch-chilenische Gesellschaft Chilenen ohne Mitgliedschaft und deutschen Pass dort nicht reingelassen, um WM-Spiele zu sehen.

Ich blieb auch noch das Wochenende in Santiago, da Ignacio mir helfen wollte eine neue Kamera zu kaufen und mich auf eine Geburtstagsparty eingeladen hat. Ignacio kenne ich eigentlich nicht persönlich. Wir haben einen gemeinsamen Freund aus Irland, der uns über facebook bekannt gemacht hat. Er hat mich in ein riesiges, verwirrendes Einkaufszentrum mitgenommen und alle meine Fragen zu Kamera und Handy für die Verkäufer auf Spanisch übersetzt. Das war sehr hilfreich. Allerdings ist die Sache mit dem Handy schwierig, da nur die teuren Handys für Auslandsgespräche geeignet sind. Jedenfalls hab ich jetzt wieder eine neue Kamera und ein billiges, einfaches Handy, dass ich irgendwie noch für Gespräche nach Deutschland entsperren lassen muss.

Nach der Einkaufsmission ging es auf eine Geburtstagsfeier seines Freundes. Zur Begrüßung gibt man sich hier ein Küsschen auf die Wange, auch wenn man sich nicht kennt. Da sehr viele Gäste kamen, gab es Küsschen ohne Ende. Am Anfang war das etwas gewöhnungsbedürftig, da ich mir nicht sicher war welche Wange ich spontan hinhalten sollte. Mittlerweile finde ich das Wangenküsschen aber im Vergleich zur deutschen Förmlichkeit eine sehr herzliche Begrüßung. Auf der Party war ich das einzige blonde Mädchen und kam als einzige von sehr weit her. Zum Glück konnten ziemlich viele Gäste Englisch. Sie haben mich gefragt, warum ich in Chile bin, wohin ich reise, warum ich alleine reise und ob es in Santiago auch ein bißchen so ist wie in Deutschland. Ich musste einige Gläser Piscola (Pisco mit Cola) trinken, um ihnen zu zeigen, dass ich ihr Lieblingsgetränk mag und mich bei ihnen wohlfühle. Das war ihnen sehr wichtig und hat auch bestens funktioniert. Das zweitliebste Getränk auf der Party war übrigens Jägermeister. Salute!

Nach einem faulen Sonntag, habe ich mich dann am Montag (07.07.2014) nach fast zwei Wochen aus Santiago wegbewegt und bin für 5 Tage nach Valparaiso gefahren, eine kunterbunte Stadt an der Westküste. Dazu mehr im nächsten Beitrag mit vielen kunterbunten Fotos. Leider bin ich etwas im Rückstand.

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Ein Gedanke zu “Zweiter Versuch (Santiago de Chile1)

  1. Hi du Weltenbummlerin,
    das klingt doch ganz so, als würde dir die (aufgezwungene) Verzögerung, doch neue und andere wunderbare Begegnungen und Erfahrungen beschert haben….. oder?
    Auf jeden Fall freue ich mich sehr das es dir gut geht und du Santjiago doch noch von oben gesehen hast.
    Schon jetzt freue ich mich auf weitere Beiträge von dir, toll auf diese Weise Anteil an deiner Reise zu haben.
    Herzliche Grüße aus der bayrischen Rhön an dich und Chile
    Heike 🙂

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