Wieder zurück (Santiago de Chile2)

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Da war ich also wieder, zurück in der Stadt Santiago de Chile, in der ich schon einige Zeit verbracht habe und in die ich auch nicht das letzte Mal zurückkehren werde. Am Samstag, den 12. Juli, lief ich mit meinem Rucksack wieder durch die Straßen von Santiago. Von der Metrostation kannte ich den Weg zum Hostel bereits im Schlaf, auch wenn ich diesmal ein Bett in einem anderen Hostel gebucht hatte. In diesem Hostel war ich vor ungefähr zwei Wochen als Besucherin und habe dort den abend nach meinem Raub verbracht.

Kurz nach meiner Ankunft im Hostel lernte ich Emily aus England kennen, die bei mir im Zimmer schlief. Sie sagte, dass ich abends in den Empfangsraum kommen soll, weil da wohl immer was los sei. Ich kaufte eine Flasche Wein und setzte mich dort abends auf die Couch. Neben mir saß ein Typ aus Australien, der sich mir sofort vorstellte (dessen Namen ich aber wieder vergessen habe). Es wurden die typischen Antworten auf folgende Fragen ausgetauscht: Wie heißt du? Wo kommst du her? Wie lange bist du schon da? Wo willst du hin?

Kurz danach setzte sich Brian aus den USA neben mir auf die andere Seite und löcherte mich mit allen möglichen Fragen. Er war gerade mal Anfang 20 und hat auf dem College eine Arbeit über das Bildungssystem in Deutschland geschrieben. Darüber haben wir eine ganze Weile philosophiert, bis Annalena und Fabian sich dazugesellten. Die beiden kamen aus…Hannover. Wer hätte das gedacht. Emily wollte unbedingt tanzen gehen und motivierte alle im Raum zum allgemeinen Aufbruch. Gemeinsam gingen wir in einem Club, in dem wir zu schlechter Musik fröhlich durch die Nacht tanzten.

IMG_0360aAm nächsten Tag war es dann soweit: Das Finale Deutschland gegen Argentinien. Eigentlich wollte ich meine Sachen waschen, aber ich wurde von Emily aufgehalten, die sagte: „Wo bleibst du denn? Wir gehen jetzt in eine Bar und gucken das Spiel.“ Ich wußte nicht, dass das Spiel schon um 14 Uhr beginnt, schmiss meinen Wäschebeutel in die Ecke und ging mit. In der Bar lernte ich Marie kennen. Sie war eine deutsche Austauschstudentin und hatte sogar Farben dabei, mit denen wir uns die Deutschlandfahne auf die Wangen malten. Es war etwas seltsam das Spiel in einem anderen Land zu sehen, wo nur vereinzelt andere Deutsche begeistert dem Sieg entgegenfieberten. Das mit den aufgemalten Fahnen auf den Wangen hat offensichtlich funktioniert, denn Deutschland wurde Weltmeister. Nach dem Spiel fand sich eine kleine Gruppe aus Deutschen und Chilenen zusammen, die das Ereignis feiern wollten. Obwohl ich noch müde vom Vortag war, ging ich mit. Einen ganzen abend lang saßen wir draußen auf Bänken vor einer Bar am Straßenrand, tranken Bier, aßen Pommes und unterhielten uns über Döner, Rammstein (die einzige bekannte Band aus Deutschland in Chile), Reisen und über viele andere Dinge aus Deutschland und Chile. Wir sprachen über alles andere außer Fußball und landeten am Ende auf einer Raggaeton-Party. Dort verwandelte sich die vorher unscheinbare Michelle aus Santiago in eine zauberhafte Tänzerin und zeigte mir wie man in Chile zu Raggaeton die Hüften schwingt.

Da am Montag die deutsche Botschaft für Besucher geschlossen hatte, konnte ich erst am Dienstag dorthin. Das war der eigentliche Grund, warum ich wieder nach Santiago zurückgekommen war. Ich brauchte einen richtigen Pass, damit mein Work & Travel Visum für Neuseeland weiterhin gültig ist. Als ich den Raum betrat, blinkte die Nummer 18 über dem Schalter. Ich hielt die gerade gezogene Nummer 50 in meiner Hand und stelle mich auf eine längere Wartezeit ein. In der Zeit beobachtete ich die Leute, die in Chile zur deutschen Botschaft gekommen waren. Da gab es zum Beispiel eine ältere Frau, die wohl recht wohlhabend war und sich mit einer anderen Frau unterhielt. Sie ist damals aus Deutschland nach Chile eingewandert, hat einen chilenischen Mann geheiratet und hatte ihre feine Leggings falschherum angezogen. Kurz darauf kam ihr bereist erwachsener Sohn dazu. Er unterhielt sich kurz mit mir. Dann waren die Beiden an der Reihe. Sie wollten ihren chilenischen Pass verlängern. Die Mutter hatte das Wort, der Sohn stand nickend daneben. Da ich mir weiterhin die Zeit vertreiben musste, blätterte ich in einem Heft, das Deutschland und seine Wirtschaft vorstellte. Unter anderem wurde über Volkswagen als sehr nachhaltiges Unternehmen berichtet. Das warf mich für kurze Zeit in die Vergangenheit zurück und ich legte das Heft zur Seite. Nach einer kleinen Ewigkeit blinkte endlich die Nummer 50 über dem Schalter eins. Ich erläuterte mein Anliegen, füllte Formulare aus und hatte eigentlich noch ein paar Fragen. Doch die chilenische Dame hinter der Schalterscheibe sagte: „Ich muss jetzt Pause machen.“ und ging einfach. Ich war etwas verdutzt, da die Beamten in Chile die Arbeitszeiten wohl noch genauer nahmen als in Deutschland. Da anscheinend auch alle ihre Kollegen bereits pünktlich ihre Pause machten und ich die Letzte war, ging auch ich.

Mit Marie und ihrem chilenischen Freund Jonathan kaufte ich am selben Tag Bustickets nach Stan Pedro de Atacama, eine Wüstenoase im Norden von Chile. Die beiden halfen mir außerdem mit ihren Spanischkenntnissen eine neue Touristenkarte, die eigentlich eher ein Touristenzettel ist, von der Polizeistation in Santiago zu besorgen. Die Karte wurde mir auch beim Raub gestohlen und ist sehr wichtig für die Ausreise. Nach einer weiteren durchtanzten Nacht mit den Leuten aus dem Hostel befand ich mich mit Marie am Mittwoch, den 16. Juli auf einer 24-stündigen Busfahrt nach San Pedro de Atacama. Auf dem Bild seht ihr die Verpflegung für die Fahrt: Ein Päckchen Orangenkonzentratsaft und ein Päckchen Waffeln.

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Ein Gedanke zu “Wieder zurück (Santiago de Chile2)

  1. Hey Kleene,
    ich hab das Finalspiel auch in einem anderen Land gucken müssen, es war ebenfalls ein spanisch sprechend 🙂
    Die erste Halbzeit hab ich vor einer Bar verbracht, in der alle für Argentinien waren. Dort musste ich dann weg. Im Hotel hab ich mir den Rest im Spanischfernsehen angeschaut. Beim allesentscheidenden Tor bin ich sogar weggenickt und musste es mir im Nachhinein auf youtube anschauen 😉
    Dein Blogg gefällt mir sehr und ich fiebere immer richtig mit.
    Liebe Grüße aus der Heimat

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