Schwein gehabt!

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Der Beitrag heißt eigentlich nur so, weil das Foto mit den Schweineköpfen in einer Markthalle in Santiago fast das einzige Foto ist, das ich aus Santiago noch habe. Die anderen Fotos sind auf der Kamera, die mir samt Reisepass, Handy, MP3-Player, Kreditkarte und Bargeld am dritten Tag meiner Reise geklaut wurden. Das mit dem Schwein haben ist also so eine Sache für sich.

Mittlerweile haben sich die Dinge hier so langsam geklärt und ich hab den Kopf frei für meinen ersten Blogeintrag. Doch bevor ich von dem Raubüberfall berichte, möchte ich einen kurzen Überblick über die Highlights meiner ersten Woche in Santiago de Chile geben: Ich habe kurz nach meiner Ankunft ein chilenisches Mädchen getroffen, das mir nach einem nur fünfminütigem Gespräch ihre Nummer gab und mir anbot mich in der Stadt herumzuführen. Ich bin mit 3 Polizisten und einem Iren in einem Polizeiauto quer durch Santigo gefahren. Ich habe ein wunderschön illustriertes chilenisches Kinderbuch in einem kleinen Buchladen gefunden. Ich habe mit dem Hostelhausmeister lustige Gespräche geführt, trotz meiner sparsamen Spanischkenntnisse und dank meiner gesprächigen Händen und Füßen. Ich habe chilenische Männer beim Public Viewing nach der Niederlage gegen Brasilien weinen sehen. Ich habe Piscola getrunken (ein Mix aus Pisco und Cola) und Bistec a lo pobre (Steak, Pommes, gebratene Zwiebeln und Spiegeleier) gegessen, das ich mindestens 2 Tage verdauen musste.

Ich habe viele nette Reisende aus den verschiedensten Winkeln der Welt getroffen, unter anderem einen 2 Meter großen Iren, mit einem individuellen Haarschnitt, eine Konzertflötistin und ihr CrossFit-begeisterter Freund aus St. Louis, ein junges amerikanisches Pärchen, das verrückt nach Fussball war, eine brasilianische Lehrerin, die mir die schäbigen Winkel Santiago gezeigt hat, eine Dokumentarfilmstudentin aus Kolumbien, die sogar mal was von der Militärstation in der Nähe von meinem Heimatort Jatznick gehört hat und eine Gruppe Engländer, die sich nach dem Raubüberfall rührend um mich gekümmert hat.

Und dann war da dieser sonnige Nachmittag, an dem die Stadt ausnahmsweise mal nicht von einer großen Smogwolke bedeckt war und man sogar die Anden in der Ferne sehen konnte. Ein perfekter Tag um den San Cristobal Hill zu besichtigen. Nach dem superfettigen Bistec a lo pobre beschloss ich nicht die Seilbahn zu nehmen, sondern zu Fuss nach oben zu wandern. Auf der Hälfte des Weges, als gerade keine anderen Leute in der Nähe waren, kamen zwei Jugendliche aus den Büschen und haben meinen Stoffbeutel geschnappt und mir meine Gürteltasche runtergerissen. Ich war wie gelähmt und ließ sie einfach machen. An den Tagen vorher haben mir mehrere Reisende von Überfällen erzählt, bei denen Leute erstochen wurden, die sich gewehrt haben. Das schwirrte mir die ganze Zeit im Kopf herum während ich meine komplette Reisegrundlage davonlaufen sah. Danach rannte ich auch sofort davon, aber wieder bergab. Zum Glück traf ich auf eine Gruppe Engläner und einen Iren, die ich am Tag vorher kennengelernt habe. Sie alle haben mir sehr geholfen. Komischerweise endete der Tag mit einem schönen abend in einer Bar.

Doch gleich am nächsten Tag nahm das Chaos seinen Lauf: Die deutsche Botschaft hatte am Wochenende geschlossen. Da der Überfall am Freitag passierte, musste ich bis Montag warten. Ich hatte zum Glück eine zweite Kreditkarte dabei, leider aber nicht den richtigen Pin. Den falschen Pin habe ich dann so oft eingegeben, bis die Karte für eine Woche gesperrt wurde. Die Botschaft kann den Pass auch nach drei Tagen nicht ausstellen, weil sie keine Antwort aus Hannover erhält. Mein letztes Bargeld wird langsam knapp und ich hänge in Santiago fest. Meine Eltern schicken mir Geld zu einer Bank, dass ich aber nur abholen kann, wenn ich meinen Pass endlich habe. Ich gucke in einem Laden nach Kameras und erfahre vom Verkäufer, dass sie nur ohne Akku und Kabel verkauft werden. Außerdem ist nicht klar, ob ich mit dem vorläufigen Reisepass auch in Neuseeland einreisen kann.

Heute habe ich endlich die Antwort von der Botschaft erhalten, dass ich morgen meinen Pass abholen kann. Es klärt sich alles so langsam und meine Basisstation in Jatznick ist mir dabei eine große Hilfe. Und naja…mir ist letztendlich nichts passiert und alle anderen Sachen kann ich ersetzen. Ich habe eigentlich doch irgendwie Schwein gehabt und werde weiterreisen.

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Ein Gedanke zu “Schwein gehabt!

  1. Hey Heike!
    Tut mir leid zu hören, was dir passiert ist. Lass dich nicht entmutigen! Ich drücke dir die Daumen, dass es ab jetzt besser läuft! 🙂 Viel Spaß auf deiner weiteren Reise und viele spannende (positive ;-)) Eindrücke.

    Liebe Grüße,
    Susanne

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