Maskottchen in der Abenteuerbrauerei (La Paz/Rurrenabaque)

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Ich stieg aus dem Bus und lief mit meinen beiden Rucksäcken in die falsche Richtung. Ich wusste, dass das Hostel irgendwo in der Nähe vom Busbahnhof lag. Dann fragte ich eine Frau am Straßenrand nach dem Weg. Sie schickte mich in die Richtung, aus der ich kam…zurück zum Busbahnhof. Und tatsächlich, dort gleich um die Ecke war das Hostel Adventure Brew.

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IMG_2154_aDas Hostel in La Paz war eigentlich nichts Besonderes. Es war kein Partyhostel und hatte zu der Zeit, als ich dort war, auch nicht sehr viele Gäste. Aber es gab dort eine Bar, in der man jeden abend ein Freibier aus der hosteleigenen Brauerei bekam. Am ersten abend nach meiner Ankunft ging ich also in die Bar im Erdgeschoss und fragte den Barkeeper nach meinem Freibier. Ich fühlte mich etwas unwohl, da ich wieder niemanden kannte. Aber das änderte sich schnell und erstaunlich leicht. Der Mann hinter der Bar hieß Ben, kam aus Australien und unterhielt sich sofort mit mir. Er war auch auf Reisen und arbeitete im Hostel um seine Reisekasse aufzubessern. Neben mir an der Bar stand ein Franzose, der aussah wie Jonny Depp in Fluch der Karibik. Mit ihm kam ich auch gleich ins Gespräch. Er hieß Remi und versuchte von Fernanda aus Kolumbien Spanisch zu lernen. Fernanda und Remi waren ebenfalls auf Reisen, Fernanda bereits seit zwei Jahren. Eigentlich arbeiten die beiden auch hinter der Bar, aber an dem abend hatten sie frei. Sie fragten mich, ob ich Hunger hätte. Tatsächlich hatte ich an dem Tag noch nicht viel gegessen. Da es schon spät war und die Küche im Hostel nicht mehr auf hatte, gingen wir auf die Straße und kauften Burger an einem Stand. Danach unterhielten wir uns eine ganze Weile weiter in der Hostelbar. Ben kam später auch dazu. Mit Ben, Fernanda, Remi und den anderen Leute von der Bar erlebte ich in den nächsten zwei Wochen meine Abenteuer in der Abenteuerbrauerei. Sie wurden meine Reisegesellschaft und ich wurde ihr Maskottchen.

IMG_2676aMit Ben habe ich am nächsten Tag einen Aussichtspunkt besichtigt, von dem man eine schöne Sicht über die Stadt hatte. Abends hing ich wieder an der Bar herum. Auch am nächsten und den darauffolgenden Abenden war ich in der Bar mit den Leuten von der Bar. Wir tanzten, wir sangen, wir brachten uns gegenseitig Englisch und Spanisch bei, wir fuhren zusammen in andere Clubs nach der Barschicht. Und es waren immer dieselben Leute von der Bar und ich. An einem abend war ich sogar Dj hinter der Bar, weil vor der Bar nicht viel los war. Ich überlegte, ob ich dort auch anfangen sollte zu arbeiten, aber ich wollte bald weiterreisen und genoss mein Maskottchendasein.

IMG_2666_aIMG_2670_aIMG_2678_aAm vierten Tag in Cusco bin ich mit Ben den sogenannten „death road“ mit dem Mountainbike heruntergefahren. Ich wusste nicht genau, was mich dort, auf der Todesstraße erwartete. Auf Serpentinen fuhren wir zuerst auf einer gepflasterten Straße mit einem Affentempo bergab, später auf einem steinigen und felsigen Weg, auf dem man öfter leicht ins Schleudern kam. Ich war so froh, dass die Bremsen gut funktionierten, auch wenn ich eine Weile brauchte, um herauszufinden, welche für hinten und welche für vorne war. Es ging kurvig und steinig abwärts. Am Rand war der Abhang, in den schon so einige Menschen verendet sind, wie unser Guideunterwegs erzählte. Nach jeder Etappe dachte ich nur: „Wow, ich lebe noch!“ Es war sehr aufregend, aber auch etwas beängstigend in einigen Kurven. Auf jeden Fall habe ich genug Adrenalin getankt, um die nächsten Tage erstmal nichts Aufregendes zu unternehmen und als Maskottchen mit den Leuten von der Bar rumzuhängen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERANach ein paar Tagen machte ich eine Tour zum Mark nach El Alto und zum Cholita-Wrestlin. Diese Show findet jeden Sonntag statt. Es war etwas absurd und der Kommentator war ein wenig anstrengend. Männer in Kostümen und Frauen mit Zöpfen und weiten Röcken schmissen sich gegenseitig in die Ecke des Rings und aus dem Ring. Es war ganz unterhaltsam, aber der Showeffekt war sehr offensichtlich, wie das beim Wrestling eben so ist. Danach ging es zu einem Witchdoktor in eine kleine Hütte. Er war eine Art Doktor mit speziellen, magischen Fähigkeiten. Diese Magie kann man in La Paz in einer speziellen Schule lernen, in einer Art Hogwarts von La Paz. Der Doktor, den wir besuchten, hatte seine Fähigkeiten aber von seinen Vorfahren überliefert bekommen, erzählte er uns. In seiner Hütte waren überall seltsame Dinge zu sehen mit denen er wohl irgendwelche Rituale durchführte: Kräuter, Schädel und andere kleine, bunte Dinger, die aussahen wie dekorierte Seifen. Wir saßen alle im Kreis und konnten Fragen über unsere Zukunft stellen. Der Zauberdoktor hatte einen Haufen Kokablätter vor sich auf dem Tisch ausgebreitet und las daraus die Antworten. Alle in der Gruppe wollten wissen, wie ihre Gesundheit, ihr Liebesleben und ihre Finanzen zukünftig aussehen. Als ich an der Reihe war, beschloss ich keine Fragen zu stellen. Ich war mir nicht sicher, ob der Zaubermann wirklich in die Zukunft gucken konnte, aber ich war mir sicher, dass seine Antwort mich in irgend einer Art beeinflussen würde. Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht ob ich im Lotto gewinne oder wieviele Ehen ich mal haben werde, aber alles ist möglich.

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IMG_2262_aDie kleine Zauberwelt, die ich schon in Cochabamba erlebt habe, begegnete mir auch in La Paz immer wieder. Neben den Hütten mit den Zauberdoktoren, gab es mitten in der Stadt einen Hexenmarkt. Dort wurden vertrocknete Lamas verkauft und andere seltsame Dinge, wie zum Beispiel Follow me-Powder gegen Liebeskummer. Auf der Stadtführung erfuhr ich unter anderem, dass die indigenen Leute früher bei einem Hausbau eine lebendige Person unter dem Haus begraben haben, für Pachamama natürlich. Das war mir etwas zuviel Zauberei. Ob das heute immer noch so gemacht wird, ist ungewiss. Aber man solle sich lieber nicht alleine und betrunken nachts in den Straßen von La Paz herumtreiben, riet uns der Guide. „Alles klar“, dachte ich, „Betrunken, alleine und nachts was generell keine gute Idee“.

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IMG_2119_aIch landete also nicht unter irgendeinem neu gebauten Haus in La Paz. Doch irgendwann packte mich in La Paz in der Abenteuerbrauerei wieder die Abenteuerlust und ich beschloss eine 3-tägige Pampas-Tour in den Madiddi National Park zu machen. Da die Busfahrt dorthin bis zu 24 Stunden dauern würde, beschloss ich dorthin zu fliegen. Allein der Flug nach Rurrenabaque in dem kleinen Flugzeug und die Ankunft an dem sehr provisorischen Flughafen war schon ein kleines Abenteuer.

In Rurrenabaque war es tropisch heiß. Von dort aus ging es dann mit dem Jeep und 7 weiteren Leuten in das Sumpfgebiet nach Santa Rosa. Dort fuhren wir drei Tage mit dem Boot auf dem Fluss Yacuma umher und schliefen in einer Holzhütte auf Stelzen. Wir haben viele Kaimane, Schildkröten, Affen, exotische Vögel und Bisamratten gesehen. Außerdem haben wir Piranhas gefischt und gegessen. Ich bin in dem Fluss mit Delphinen geschwommen und wir haben stundenlang nach einer Anakonda gesucht. Nach 5 Stunden Wandern durch tiefsten Schlamm, mussten wir allerdings aufgeben. Ein Mädel aus unserer Gruppe bekam Kreislaufprobleme und sackte zusammen. Der Trip war sehr erlebnisreich, aber nach drei Tagen packte mich wieder der Gruppenkoller und ich war froh wieder in La Paz zu sein bei den Leuten von der Bar.

IMG_2485aIn La Paz verbrachte ich noch einige Tage als Maskottchen bis ich beschloss weiter zum Titicacasee nach Copacabana zu fahren. Da ich bei meinem ersten Versuch La Paz zu verlassen meinen Bus verpasst habe, feierte ich an zwei Abenden meinen Abschied von den Barleuten.

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2 Gedanken zu „Maskottchen in der Abenteuerbrauerei (La Paz/Rurrenabaque)

  1. Boa, auf den Yacuma bin ich ja total neidisch. Das riecht richtig nach Abenteuer und muss soviel mehr gewesen sein, als man ich Worten schreiben kann.
    Aber warum warst du denn Maskottchen für die Barleute? Warst du so putzig? Oder haben sich alle T-Shirts mit deinem Gesicht drauf gemacht? Ich versteh das nicht.

    • Ja der Yacuma war sehr cool!
      Ich war das Maskottchen, weil die Barleute mich so genannt haben…weil ich nicht hinter der Bar gearbeitet habe und trotzdem immer dabei war. Aber das mit den T-Shirts finde ich ne gute Idee:)

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