Hausbesuch bei den Inkas (Cusco/Machu Picchu)

IMG_0358_aSie saß auf dem Bett gegenüber und sprach mich sofort an. Mir fiel sofort ihr Bauch auf. Britta kam auch aus Deutschland und war schwanger. Bevor sie alleinerziehende Mutter wird, machte sie ihre letzte große Reise durch Südamerika, inklusive Baby im Bauch. Das alles erfuhr ich kurz nachdem ich in meinem Hostelzimmer in Cusco ankam.

IMG_0523_aCusco war viel schöner als Puno, allerdings auch mit viel mehr Touristen. Die versammelten sich hier alle wie Bienen in einem Honigtopf. Es gab dort zum Beispiel eine Gasse mit einer Steinmauer aus Inkazeiten, wo die Bienen…äh… die Besucher ständig den Weg verstopften. Alle wollten sich vor der Mauer und einem verkleideten Inka-Häuptling fotografieren lassen.

Mit Britta lief ich kurz nach meiner Ankunft durch die Stadt und ging etwas essen. In dem Hostelzimmer waren aber auch noch andere Mädchen. Mit ihnen verbrachte ich den abend in der Hostelbar. Dort spielte ich zusammen mit Silvia im Team Bierpong. Eigentlich ein blödes Hostelanimationsspiel, aber mit Silvias brasilianischem Temperament war es sehr amüsant. Beim Bierpong werden kleine Becher mit Bier gefüllt. Ziel des Spieles ist es mit Tischtennisbällen die Becher der gegnerischen Mannschaft zu treffen. Bei jedem Treffer muss man den Becher natürlich austrinken. Die Gewinner bekamen eine freie Übernachtung im Hostel. Wir haben leider nicht gewonnen, sind aber anschließend noch tanzen gegangen.

Mit Janina, die ich am nächsten Tag auf der Free Walking Tour kennengelernt hatte, lief ich in der Stadt herum und fragte bei Agenturen nach Angeboten für den Salkantay-Trek nach Machu Picchu. Wir fanden eine gute Agentur und buchten die Tour gemeinsam.

P1180518_aIMG_3420_aMorgens um 5 Uhr wurden wir mit einem Kleinbus abgeholt. In unserer Gruppe waren Leute aus Deutschland, Kanada, den USA und Australien, also aus den üblichen reisefreudigen Länder. Mit ihnen wanderte ich 5 Tage lang insgesamt 75 km in Höhen zwischen 2800 und 4600 Metern herum. Wir wanderten steile Berge hinauf und wieder herunter, vorbei an Schneegipfeln, durchquerten tropische Wälder und sogar ein Stückchen vom Djungel. Dabei hatten wir immer eine Backe voll Kokablätter im Mund und unsere Wanderstöcke dabei. Es war anstrengend, aber sehr schön. Die Lanschaft war beeindruckend, besonders der Salkantaygletscher mit seinem kristallblauen See.

IMG_0405_aIMG_3407_aIMG_0161_aP1180681_aIMG_3406_aUnterwegs erzählte mir der Guide ein paar Gruselgeschichten, die sich auf dem Salkantay-Trek und auf dem richtigen Inka-Trail ereignet haben sollen. Er erzählte von Geistern und von Zeichen in der Natur, die die Menschen so lasen wie andere jeden morgen die Zeitung. Ich war überrascht, dass ich immer wieder Menschen begegnete, die mir etwas von der zauberhaften Welt erzählten, die ich so spannend finde.

IMG_0406_aIMG_3379_aAm letzten Tag wanderten wir nicht viel, sondern rutschten, befestigt an Karabinerhaken, an Seilen entlang über schwindelerregende Schluchten. Vor meiner ersten Siplining-Rutschtour über die Schlucht, rutschte mir fast das Herz in die Hose. Doch es war garnicht schlimm, sondern super, fast wie Fliegen. Beim letzten Seil wurden wir nicht am Bauch sondern am Rücken befestigt. Wie Superman flog ich mit ausgestreckten Armen und Beinen über die Schlucht und über die Baumkronen hinweg. Also ieigentlich nur fast wie Superman, denn zu Schluss drehte ich mich etwas und kam mit den Füßen zuerst am anderen Ende an.

IMG_0193_aP1180771_aAm Tag fünf war es dann endlich soweit. Wir mussten, wie jeden Tag, vor dem Morgengrauen aufstehen und fuhren mit dem Bus zur berühmten Ruinenstadt der Inkas, nach Machu Picchu. Ich war sehr gespannt, was mich dort erwarten würde. Auf den ersten Blick sah die Stadt so aus, als wäre sie schon eine Ewigkeit dort. Doch sie wurde erst um 1450 gebaut. Das überraschte mich, denn um diese Zeit gab es in Europa schon die Renaissance. Der Guide führte uns herum und erzählte, dass nichts einfach nur so gebaut wurde, sondern alles eine Bedeutung hatte. Bestimmte Gebäude warfen zum Beispiel bestimmte Schatten bei einer bestimmten Sonneneinstrahlung. Alles war symbolisch, nichts zufällig. „Hier waren also mal die alten Inkas zu Hause“, dachte ich mir. Ich hätte gerne die Zeit zurückgedreht und mir das in der Originalzeit angeguckt. Die vielen Touristen, die sich auch hier wieder wie Bienen auf einem großen Honigkuchen tummelten, entzauberten den Ort allerdings wieder etwas.

IMG_0395_aIMG_0335_aZum Schuss wanderten wir alle gemeinsam auf den Berg Machu Picchu, der genauso hieß wie die Stadt. Wir waren eigentlich schon ziemlich am Ende unserer Kräfte, liefen aber die gefühlten 2000 Stufen hoch, um die Inkastadt noch einmal vom Gipfel aus zu sehen. Ich aktivierte meine letzten Superkräfte, die ich wohl beim Superman-Seilrutschen gewonnen hatte. Danach war ich erschöpft, aber auch super-glücklich, dass ich es geschafft hatte. Auch die Zahnfüllung, die in einem Cocabonbon kleben geblieben ist, konnte daran nichts ändern.

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3 Gedanken zu „Hausbesuch bei den Inkas (Cusco/Machu Picchu)

  1. Hey Heike,
    das war jetzt sowas von beeindruckend, ich glaubte schon fast mit dir dabei gewesen zu sein. (grins) besonders bei deinem „Fast-Superman-Flug“….. einfach beeindruckend. Danke auch für die tollen Bilder!
    Bin neugierig wie es weiter geht. 🙂
    von Heike zu Heike

  2. Hallo Heike, habe gerade deinen neuen Artikel gelesen und bin begeistert, was du so alles auf deiner Reise erlebst. Beeindruckende Bilder. Wünsche dir noch eine schöne Zeit. Pass gut auf dich auf. Ganz liebe Grüße aus der Heimat sendet dir Roswitha.

  3. Hi Heiki,

    schöne Tour, wäre auch gerne dabei gewesen. Dass zu viele Touristen entzaubernd wirken, habe ich auch schon erlebt – aber Superman habe ich noch nicht gespielt 😉
    Liebe Grüße

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