Eine Wüste mit Gesellschaft (San Pedro de Atacama)

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Sie sah schon sehr beeindruckend aus mit ihrer Weite und ihren eigenwilligen Formationen. Eigentlich sah sie gar nicht so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe. Es gab statt Sandhügel vor allem Felshügel und -berge, die schienen als wären sie entlang der Linien im Fels aufgeschichtet worden. Der Tourführer erklärte uns überaus begeistert, dass diese Linien im Laufe der Zeit, also vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden entstanden sind. So genau kann ich das nicht sagen, da er sehr schnell sprach und sein Englisch einen starken spanischen Akzent hatte. Nicht umsonst heißt der Ort Valle de la Luna (Mondtal), denn ich fühlte mich fast wie auf einem anderen Planeten. Doch die vielen Menschen um mich herum holten mich schnell wieder in die Realität zurück. Beim Sonnenuntergang wurden wir auf einen großen Berg gebracht und konnten beobachten, wie sie erst in oranges and später in pinkes Licht gefärbt wurde. Diesen magischen Augenblick teilte ich allerdings mit noch mehr fremden Menschen als zuvor, die mit vielen Touristenbussen herangefahren wurden, um möglichst oft auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken. Damit ich statt der vielen Menschen auch noch etwas Atacamwüste im Sonnenuntergang auf das Bild bekam, hielt ich meine Kamera noch ein Stückchen höher. Danach steckte ich die Kamera in die Tasche und riskierte einen Blick auf die Wüste ohne Kamera zwischen mir und der Wüste.

IMG_0529aNach ungefähr 24 Stunden im Bus (von Santiago) und einmal Umsteigen in Calama bin ich mit Marie in San Pedro de Atacama angekommen, ein Oasendorf in der Atacamawüste. Maries Freund Jonathan (kurz Jona) aus Santiago, kam mit einem späteren Bus nach. Er hatte in San Pedro früher einmal eine zeitlang gearbeitet und bekam spontan Lust uns zu begleiten. Am nächsten Tag stieß noch Sabastian (kurz Sebas) zu unserer kleinen Gruppe. Er war ein Freund von Marie aus Deutschland. Jona konnte es kaum erwarten uns herumzuführen und uns die Vulkane in der Ferne zu zeigen. San Pedro war nicht sehr groß. Viele flache Lehmhäuser und viele Straßenhunde verteilten sich um das Ortszentrum. Im Zentrum gab es hauptsächlich eine Reiseagentur neben der anderen und vielmehr Touristen als Einheimische, die sich durch die sandigen Straßen schoben. Doch Jona traf immer mal wieder alte Bekannte. Einer von ihnen lud uns abends zum asado (Barbecue) ein.

IMG_0394aUm 22 Uhr empfingen uns die Freunde von Jona herzlich in ihrem Haus mit einem Glas Piscola (Pisco+Cola). Die Uhrzeit war nicht ungewöhnlich für ein Abendessen in Chile. Allerdings musste ich bei unsere Ankunft mit knurrendem Magen feststellen, dass Jona, sein Freund und dessen Bruder gerade erst anfingen den Grill anzuheizen. Dafür hatten sie eine ganz eigene Technik, die mir bisher nicht bekannt war. Aus Zeitungspapier wurden Kringel gedreht und auf dem Grill übereinandergelegt. In die Kringelmitte stellten sie eine leere Flasche und zündeten das zusammengerollte Zeitungspapier und die Kohle drumherum an. Schließlich entfernten sie die Flasche wieder und das Feuer begann langsam zu brennen. Nach einer ganzen Weile wurden dann endlich ein paar riesige Stücke Fleisch und kleine Würstchen auf dem Grill verteilt. In der Zwischenzeit gab es Piscola und Gespräche hauptsächlich in Spanisch. Marie und Sebas konnten sich gut auf spanisch unterhalten. Ich musste mich allerdings sehr anstrengen um ein paar grobe Gesprächsbrocken aufzuschnappen. Mit der Freundin des Gastgebers konnte ich mich zwar auf Englisch unterhaten, aber trotzdem war das nicht das selbe. Im Laufe des abends wuchs in mir der Wunsch mich mit den Einheimischen in ihrer Sprache unterhalten zu können. Ich nahm mir fest vor bei der nächsten Gelegenheit auf meiner Reise Spanischunterricht zu nehmen. Um ca. 12 Uhr nachts war es dann endlich so weit und die ersten kleinen Würstchen wurden in kleinen Brötchen serviert. Das Warten hatte sich wirklich gelohnt. Die Würstchen waren köstlich, aber nichts im Vergleich zu dem superzarten Fleisch, dass eine halbe Stunde später auf dem Tisch stand. Es schmeckte wahrscheinlich auch so wahnsinnig gut, weil ich schon fast umkam vor Hunger und so lange warten musste, aber trotzdem: Die Chilenen sind sehr geduldige und wirklich meisterhafte Grillen, also Griller, also Asadokünstler, sozusagen.

IMG_0551aAuch wenn es nachts immer bitterkalt war, brannte tagsüber die Sonne. Wir hatten Lust auf eine Abkühlung und liehen uns am nächsten Tag Fahrräder, um zum Salzsee Laguna Cajas zu fahren. Jona kannte den Weg durch die Wüste und wir radelten munter hinterher. Der Weg war anfangs sehr holperig. Kurz nach dem nächsten großen Loch wußte ich dann auch, dass ich mit dem Moutainbike nicht zu stark bremsen sollte, weil ich mich sonst überschlagen und im Loch landen könnte. Außer ein paar kleinen Schrammen ist mir zum Glück nichts passiert und ich fuhr weiter durch die unglaubliche Weite der Wüste. Es gab dort nichts außer bizarre Felsberge und die Anden in der Ferne, die aussahen, als hätte man sie mit blassen Farben auf eine Tapete gemalt. Bei dem Anblick stellte ich mir vor, ich wäre der einzige Mensch auf der Welt. Dieser Gedanke verflog schnell, als wir am Salzsee ankamen, denn dort tummelten sich bereits viele Menschen. Auch wir gingen in das sehr kalte und sehr salzige Wasser. Das Salz war sehr hartnäckig. Es brannte nach dem Abtrocknen wie kleine Stecknadeln auf der Haut. Bevor wir uns auf den Rückweg machten, entdeckten wir eine Bande Flamingos, die sich ganz wohlzufühlen schienen im Salzwasser.

IMG_0584aMorgens um 4 Uhr des darauffolgenden Tages mummelte ich mich bei minus 12 Grad mit vier übereinandergezogenen Pullovern und einer Decke in den Bus. Der brachte uns auf unserer zweiten geführten Tour auf eine Höhe von 4000 Metern (2000 Meter höher als San Pedro) zu den Geysiren von El Tatio, die während des Sonnenaufgangs besonders aktiv sind. Die Geysirlandschaft sah noch außerirdischer aus, als das anfangs beschriebene Valle de la Luna. Überall blubberte, dampfte und zischte es. Große Nebelwolken und heißes Wasser sprudelten aus kraterartigen Löchern im Boden. Hier störten mich die vielen Menschen um mich herum ausnahmsweise mal garnicht. Vielmehr passten sie super in mein Bild. Sie sahen aus wie Silhouetten, die wie Außerirdische durch die vernebelte Dampfwolkenlandschaft stapften. Trotz der Kälte schlüpfte ich aus meinen 4 Pullovern und tauchte kurz in das warme Thermalbad im Freien zu den anderen Außerirdischen.

IMG_0642aErschöpft von den Touren und Eindrücken in der Wüste wollte ich eigentlich noch einen weiteren Tag in San Pedro bleiben um mir nichts anzugucken und nichts zu unternehmen. Doch für den nächsten Tag hatten wir eine 3-tägige Jeeptour zum Salar de Uyuny gebucht, die ich nicht mehr verschieben konnte. Also fuhr ich mit den anderen am nächsten morgen in das zweite Land auf meiner Reise, nach Bolivien.

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2 Gedanken zu “Eine Wüste mit Gesellschaft (San Pedro de Atacama)

  1. Hey Heike,
    wie gut das du …. schreibst, denn diese intensiven Eindrücke „müssen“ ja auch verarbeitet werden….. und so komme ich in den Genuss mich mit meinen inneren Bildern ebenso im Salzsee baden zu sehen… oder neben dir auf meinem Mountainbike zu radeln (da hätte ich dir dann schon mal im Vorfeld das Bremsverhalten erklären können). Ich wünsche dir auch einige Ruhepausen, damit das Erlebte auch in dir ankommen und sacken kann.
    Weiterhin ALLES GUTE von Heike zu Heike 🙂

  2. Hallo Heike… remember „Ich bin Kaufmann“ in the bus station! jejeje. War einen schonen tages in San Pedro mit Maire, Seba und du!

    Viel Spass!!

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