Drei Mumien, ein Frosch und ein Kondor (Arequipa)

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Da der Titel dieses Blogeintrags auch der eines Märchens sein könnte, werde ich märchenhaft beginnen zu erzählen: Es war einmal eine „weiße Stadt“. Dort gab es einen schönen Plaza, der mit Bäumen umrandet war. In der Mitte des Plazas befand sich ein Springbrunnen. Es gab viele Bogengänge drumherum, eine prächtige Kathedrale, einen lebhaften Marktplatz und insgesamt mindestens drei Mumien. Im Stadtzentrum von Arequipa gab es viele Häuser aus weißem Sillar-Gestein.

IMG_1189_aIMG_1211_aIMG_1225_aIMG_1242_aIn Arequipa waren die Obsttage zu Ende. Hier gewöhnte ich mich langsam wieder an das Tortenleben einer Reisenden. Gleich am ersten Tag machte ich die Free Walking Tour. Auf dem Marktplatz berichtete die Führerin, dass man an den Ständen mit den Fruchtsäften auch einen Jugo de Rana, einen Froschsaft, trinken kann. Ich wunderte mich zusammen mit einer Schwedin darüber, wie der wohl zubereitet wird. Sie vermutete dass einfach ein gefrorener Frosch in den Saft getaucht wird. Ich war sehr neugierig und wollte den Froschsaft bei der nächsten Gelegenheit probieren. Nach der Tour aß ich mit ihr und zwei anderen Mädchen auf dem dem Marktplatz die lokale Spezialität „Rocoto Relleno“, gefüllte Paprika mit Kartoffelgratin.

IMG_1288_aIMG_1284_aNach der Tour besichtigte ich mit eines der Mädchen die drei Mumien in Arequipa. Die berühmteste von ihnen hieß Juanita. Sie wurde 1995 von dem amerikanischen Archäologen Johan Reinhard in 5000 Metern Höhe auf einem Vulkan gefunden. Juanita war ein 14-jähriges Incamädchen, das den Incagöttern geopfert wurde. Dabei wurde sie von Priestern begleitet, ihr wurde Chicha (ein alkoholisches Maisgetränk) verabreicht und schließlich bekam sie einen Schlag auf dem Kopf, an dem sie starb. Diese Opferung war eine der höchsten Ehren. Es wurden vorzugsweise Kinder geopfert, weil sie rein und unschuldig waren. Juanita wusste bereits seit ihrer Geburt, dass sie geopfert werden wird. Sie wurde ihr ganzes Leben auf den Tod vorbereitet. Das Ziel ihres Lebens war die ehrenvolle Opferung, der Tod. Das war schon seltsam. Eigentlich endet ja jedes Leben mit dem Tod, aber keiner denkt gerne darüber nach. Doch die Incas schienen keine Angst davor zu haben. Sie feierten den Tod. Außerdem waren sie überzeugt davon, dass der Tod nicht das Ende war, denn Juanita wurde mit vielen Grabbeigaben gefunden. In einem anderen Museum gab es noch zwei andere Mumienkinder zu besichtigen. Es war makaber, aber intressant.

Beim Pfannkuchen-Frühstück im Hostel lernte ich Julien aus Deutschland kennen. Nach dem Frühstück gingen wir mit einem deutsch-australischen Reisepärchen auf den Marktplatz. Dort entdeckte ich zum ersten Mal lustiges Brot mit Puppengesichtern. Es sah aus als ob kleine Figuren aus alten Kinderbüchern in dem Brotteig gefangen waren. Vielleicht waren es aber auch einfach nur Brote mit Gesichtern. Dann landeten wir am Saftstand. Während sich die anderen Milchshakes und Fruchtsäfte bestellten, wollte ich den Froschsaft probieren. Die Saftfrau lächelte und verschwand kurz. Sie kam zurück mit einem kleinen Frosch, den sie mir zeigte. Danach hörte ich nur wie er geräuschvoll im Mixer verschwand zusammen mit einem süßen Sirup und Früchten. Der Saft schmeckte nicht schlecht, aber der Gedanke an den kleinen Frosch war seltsam. Trotzdem trank ich das Glas aus, verzichtete aber auf den Nachschlag. Mit Julien ging ich danach weiter durch die Stadt. Dabei entdeckten wir einen Antiquitätenladen, in dem wir herumstöberten.

IMG_1315_aFroschsaft

IMG_1324_aaIm Antiquitätenladen

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IMG_1353_aNach ein paar Tagen in Arequipa beschloss ich eine 2-tägihge Wandertour in dem Colca-Canyon zu machen, der doppelt so tief ist wie der Gran Canyon in den USA. Wie bei allen Touren musste ich wieder vor Morgengrauen aufstehen und wurde von einem Kleinbus abgeholt, in dem die anderen Wanderfreunde saßen. Wir hielten an einem Aussichtspunkt neben vielen anderen Kleinbussen. Mit den vielen Touristen aus den anderen Kleinbussen schaute ich mit hoffnungsvollem Blick suchend in die Schlucht. Ich wollte einen Kondor sehen. Nach einer Weile flog tatsächlich einer vorbei. Wie ein Superstar präsentierte er sich dem Blitzlichtgewitter des Publikums, das allerdings ohne Blitzlicht fotografierte. Er flog sogar noch einmal zurück für eine Extravorstellung. Nach dieser Flugshow setzten sich die vielen Touristen wieder in die vielen Kleinbusse und fuhren weiter, während neue Kleinbusse ankamen.

IMG_1440_aaIMG_1454_aKurz darauf begannen wir unsere Wanderung in dem beeindruckenden Colca Canyon. Beim Bergablaufen rutschte ich kurz aus und schrammte mir den Ellenbogen auf. Zum Glück war gerade ein Guide in der Nähe, der mich mit einer komischen Limonentinktur verarzten konnte.

IMG_1460_aIMG_1417_aIMG_1620_aDie Wandergruppe bestand aus einem spanischen Pärchen und einem französischen Pärchen inklusive Eltern und Tante. Ich war erstaunt, dass die etwas älteren Eltern die Wanderung mitmachten. Es war sehr anstrengend für sie, aber sie kämpften sich durch. Der Guide konnte sieben Sprachen sprechen, unter anderem auch deutsch. Auf dem Weg half er mir mein Spanisch zu verbessern. Ich half ihm mit seinem Deutsch, das wegen seinem Akzent fast unverständlich war. Am Ende eines langen Wandertages kamen wir in einer Oase an, die sich im Tal befand. Es sah dort aus wie auf einer Postkarte, mit Palmen und Pool. Jeder bekam eine Hütte für die Nacht zugeteilt. Der Guide versuchte sich bei mir einzunisten. Doch ich kannte die Intentionen der Latinos mittlerweile zu gut und versicherte ihm, dass er einen anderen Schlafplatz in einer anderen Hütte finden wird

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Nach einem Superstar-Kondor, einem Frosch im Mixer, Brot mit Gesichtern, einer rutschigen Wanderung, einem aufdringlichen Guide und drei Mumien beschloss ich weiter nach Nazca zu fahren. Und wenn die drei Mumien nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute, haha.

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2 Gedanken zu “Drei Mumien, ein Frosch und ein Kondor (Arequipa)

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