Die Sonne und ich (Copacabana1)

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Eigentlich dachte ich, dass die Sonne schon immer da oben am Himmel war. Doch die alten Inkas glaubten, dass die Sonne auf der Sonneninsel geboren wurde. Man kann dort sogar noch die Fußabdrücke der Sonne sehen. Das erzählte mir jedenfalls ein Mann, den ich dort getroffen habe. Die Sonneninsel (Isla del Sol) liegt im Titicacasee. Gleich nebenan befindet sich, wie passend, die Mondinsel (Isla de Luna).

IMG_2844_aMein nächstes Ziel nach La Paz war aber ersteinmal Copacabana, allerdings nicht der weltbekannte Strand in Rio de Janero. Ich war in Copacabana in Bolivien am Titicacasee, nahe der Grenze zu Peru. Der Strand in Brasilien wurde allerdings nach dem kleinen, entspannten Ort am Titicacasee benannt. In Copacabana in Bolivien gibt es keine braungebrannten Strandschönheiten und seltsamerweise keine Hostels mit Mehrbettzimmern. Aber es gibt Straßenmusiker, viele kleine Läden mit Handwerkskunst für Touristen und einen schönen Hafen mit Boten und kleinen Ständen, an denen man leckere Titicacaseeforellen essen kann. Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es in der Kirche dort auch noch Boliviens Nationalheilige, die Jungfrau von Copacabana, zu der jedes Jahr viele Menschen pilgern.

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IMG_2868_aAuf der Busfahrt dorthin lernte ich ein Pärchen aus der Schweiz kennen. Mit ihnen zusammen suchte ich vor Ort einen Schlafplatz. Wir landeten in einem einfachen Hotel. Dort konnte ich nach langer Zeit endlich wieder in einem Einzelzimmer schlafen. Mit dem Schweizer Pärchen verbrachte ich den nächsten Tag. Wir aßen Forelle, hingen auf einer Dachterrasse herum und kletterten auf den Berg Cerro Calvario, um von dort die Stadt und den Titicacasee zu sehen. Von dort oben sahen wir auch die Bote, die in regelmäßigen Abständen zur Isla del Sol und zur Isla del Luna fuhren. Das wollte ich auch machen.

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IMG_2798_aDas Pärchen aus der Schweiz reiste am nächsten Tag weiter nach Peru. Ich hing noch einen Tag in Copacabana herum bis ich auch in einem der Bote saß, das mich zur Isla del Sol brachten. Es war ein schöner, sonniger Tag. Die Sonne, die ja dort geboren wurde, strahlte so sehr, als hätte sie an diesem Tag Geburtstag. Es gab einen Wanderweg, der um die ganze Insel führte. Man konnte sich eigentlich nicht verlaufen und man brauchte auch keine Angst vor Überfällen oder anderen merkwürdigen Begegnungen haben. Ich konnte also völlig unbesorgt drauf loswandern. Die meiste Zeit war ich alleine unterwegs, kaum andere Menschen hinter oder vor mir. Wenn mir andere Leute begegneten, wanderten sie in die entgegengesetzte Richtung. Das kam mir bekannt vor. Auf meiner bisherigen Reise begegneten mir fast nur Menschen, die genau in die entgegengesetzte Richtung reisten. Überraschenderweise war es ein sehr gutes Gefühl ganz alleine unterwegs zu sein. Die Landschaft war wunderschön und die Sonne schien. Ich hatte also die Insel und die Sonne ganz für mich, leider hatte ich keine Sonnencreme dabei.

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IMG_3040_aAm anderen Ende der Insel war ein Tempel and ein Mann, der auf mich zukam. Er war eine Art Guide und wollte mir die mysthischen Dinge dort zeigen und erklären. Obwohl er fast nur Spanisch und kaum Englisch sprach, konnte ich alles gut verstehen. Es war interessant. Er zeigte mir den Frosch, den man in den Felsen sehen konnte, einen Steinkreis, der den 13-monatigen Inkakalender zeigte, die Fussabdrücke der Sonne und den labyrinthartigen Tempel. Im schlauen Internet hab ich im nachhinein allerdings gelesen, dass nicht direkt die Sonne auf der Insel geboren wurde, sondern der Sonnengott Inti seine Kinder auf die Sonneninsel gesand hat. Das waren dann die ersten Inkas. Entweder ist mein Spanisch doch noch nicht so ganz gut oder der Mann hatte seine eigenen Ideen von der Sonne und der Insel.

IMG_2986_aDer Felsenfrosch:)

IMG_3042_aDie Sonnenfussabdrücke

Ich ging weiter bis zum nächsten Ort, um dort zu übernachten. Kurz nach dem Ortseingang kam mir Saulo entgegen. Saulo war auch auf der Suche nach einem Schlafplatz. Wir suchten gemeinsam weiter und fanden zwei Einzelzimmer bei Einheimischen. Abends gab es ein heftiges Gewitter, wie eigentlich jeden abend, den ich am Titicacasee verbrachte.

Am nächsten morgen wanderte ich zu dem Hafen, an dem ich angekommen war. Dort begenete ich wieder Saulo. Er war wie ich auf der Suche nach einem Restaurant. Also suchten wir wieder gemeinsam und aßen zusammen. Saulo sah eher unscheinbar aus, machte aber einen sehr korrekten Eindruck. Er war aus Brasilien und erzählte mir, dass er dort Polist ist und gerade seinen 2-wöchigen Urlaub in Bolivien und Peru verbrachte. Bevor er bei der Autobahnpolizei arbeitete, um gefährliche Drogenschmuggler und andere Gesetzesbrecher zu überführen, war er Anwalt. Das war ihm allerdings zu langweilig.

IMG_2858_aZurück in Copacabana schaute ich in den Spiegel und stellte fest, dass ich ein Krebs war. Also ich sah zumindest so aus wie einer. So schön die Sonne auf der schönen Sonneninsel auch schien, es war etwas zu viel für mein Bleichgesicht. Krebsrot verbrachte ich noch einen Tag in Copacabana bis ich weiter über die Grenze nach Peru fuhr.

Am Grenzübergang offenbarten mir die Polizisten, dass ich mich insgesamt 49 Tage in Bolivien aufhielt. Ich konnte es kaum glauben, dass ich schon über 6 Wochen durch Bolivien reiste. Die Polizisten konnten es leider glauben, denn es waren ganze 19 Tage zuviel. Ich hatte nur ein Visum für 30 Tage und total das Zeitgefühl verloren. Mein krebsrotes Gesicht lief vor Schreck kurzzeitig noch röter an. Das machte dann 20 Bolivianos für jeden Tag zuviel, por fovor. Ich bezahlte und ärgerte mich. Aber zumindest wurde ich dort nicht länger auf- oder festgehalten und konnte schließlich weiterreisen nach Puno in Peru, das dritte Land auf meiner Reise.

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Ein Gedanke zu “Die Sonne und ich (Copacabana1)

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