Atacamawüste

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Diese Galerie enthält 21 Fotos.

In der Wüste. Der Guide erklärt sehr energisch. Sonnenuntergang: Oranges Licht. Sonnenuntergang: Pinkes Licht. Porotoso granados (Bohneneintopf). Eigentlich mag ich keine Bohnen, aber das war Ok. Sebas, Jona, Marie… San Pedro de Atacama. Überall flache Lehmhäuser und im Hintergrund der … Weiterlesen

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Eine Wüste mit Gesellschaft (San Pedro de Atacama)

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Sie sah schon sehr beeindruckend aus mit ihrer Weite und ihren eigenwilligen Formationen. Eigentlich sah sie gar nicht so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe. Es gab statt Sandhügel vor allem Felshügel und -berge, die schienen als wären sie entlang der Linien im Fels aufgeschichtet worden. Der Tourführer erklärte uns überaus begeistert, dass diese Linien im Laufe der Zeit, also vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden entstanden sind. So genau kann ich das nicht sagen, da er sehr schnell sprach und sein Englisch einen starken spanischen Akzent hatte. Nicht umsonst heißt der Ort Valle de la Luna (Mondtal), denn ich fühlte mich fast wie auf einem anderen Planeten. Doch die vielen Menschen um mich herum holten mich schnell wieder in die Realität zurück. Beim Sonnenuntergang wurden wir auf einen großen Berg gebracht und konnten beobachten, wie sie erst in oranges and später in pinkes Licht gefärbt wurde. Diesen magischen Augenblick teilte ich allerdings mit noch mehr fremden Menschen als zuvor, die mit vielen Touristenbussen herangefahren wurden, um möglichst oft auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken. Damit ich statt der vielen Menschen auch noch etwas Atacamwüste im Sonnenuntergang auf das Bild bekam, hielt ich meine Kamera noch ein Stückchen höher. Danach steckte ich die Kamera in die Tasche und riskierte einen Blick auf die Wüste ohne Kamera zwischen mir und der Wüste.

IMG_0529aNach ungefähr 24 Stunden im Bus (von Santiago) und einmal Umsteigen in Calama bin ich mit Marie in San Pedro de Atacama angekommen, ein Oasendorf in der Atacamawüste. Maries Freund Jonathan (kurz Jona) aus Santiago, kam mit einem späteren Bus nach. Er hatte in San Pedro früher einmal eine zeitlang gearbeitet und bekam spontan Lust uns zu begleiten. Am nächsten Tag stieß noch Sabastian (kurz Sebas) zu unserer kleinen Gruppe. Er war ein Freund von Marie aus Deutschland. Jona konnte es kaum erwarten uns herumzuführen und uns die Vulkane in der Ferne zu zeigen. San Pedro war nicht sehr groß. Viele flache Lehmhäuser und viele Straßenhunde verteilten sich um das Ortszentrum. Im Zentrum gab es hauptsächlich eine Reiseagentur neben der anderen und vielmehr Touristen als Einheimische, die sich durch die sandigen Straßen schoben. Doch Jona traf immer mal wieder alte Bekannte. Einer von ihnen lud uns abends zum asado (Barbecue) ein.

IMG_0394aUm 22 Uhr empfingen uns die Freunde von Jona herzlich in ihrem Haus mit einem Glas Piscola (Pisco+Cola). Die Uhrzeit war nicht ungewöhnlich für ein Abendessen in Chile. Allerdings musste ich bei unsere Ankunft mit knurrendem Magen feststellen, dass Jona, sein Freund und dessen Bruder gerade erst anfingen den Grill anzuheizen. Dafür hatten sie eine ganz eigene Technik, die mir bisher nicht bekannt war. Aus Zeitungspapier wurden Kringel gedreht und auf dem Grill übereinandergelegt. In die Kringelmitte stellten sie eine leere Flasche und zündeten das zusammengerollte Zeitungspapier und die Kohle drumherum an. Schließlich entfernten sie die Flasche wieder und das Feuer begann langsam zu brennen. Nach einer ganzen Weile wurden dann endlich ein paar riesige Stücke Fleisch und kleine Würstchen auf dem Grill verteilt. In der Zwischenzeit gab es Piscola und Gespräche hauptsächlich in Spanisch. Marie und Sebas konnten sich gut auf spanisch unterhalten. Ich musste mich allerdings sehr anstrengen um ein paar grobe Gesprächsbrocken aufzuschnappen. Mit der Freundin des Gastgebers konnte ich mich zwar auf Englisch unterhaten, aber trotzdem war das nicht das selbe. Im Laufe des abends wuchs in mir der Wunsch mich mit den Einheimischen in ihrer Sprache unterhalten zu können. Ich nahm mir fest vor bei der nächsten Gelegenheit auf meiner Reise Spanischunterricht zu nehmen. Um ca. 12 Uhr nachts war es dann endlich so weit und die ersten kleinen Würstchen wurden in kleinen Brötchen serviert. Das Warten hatte sich wirklich gelohnt. Die Würstchen waren köstlich, aber nichts im Vergleich zu dem superzarten Fleisch, dass eine halbe Stunde später auf dem Tisch stand. Es schmeckte wahrscheinlich auch so wahnsinnig gut, weil ich schon fast umkam vor Hunger und so lange warten musste, aber trotzdem: Die Chilenen sind sehr geduldige und wirklich meisterhafte Grillen, also Griller, also Asadokünstler, sozusagen.

IMG_0551aAuch wenn es nachts immer bitterkalt war, brannte tagsüber die Sonne. Wir hatten Lust auf eine Abkühlung und liehen uns am nächsten Tag Fahrräder, um zum Salzsee Laguna Cajas zu fahren. Jona kannte den Weg durch die Wüste und wir radelten munter hinterher. Der Weg war anfangs sehr holperig. Kurz nach dem nächsten großen Loch wußte ich dann auch, dass ich mit dem Moutainbike nicht zu stark bremsen sollte, weil ich mich sonst überschlagen und im Loch landen könnte. Außer ein paar kleinen Schrammen ist mir zum Glück nichts passiert und ich fuhr weiter durch die unglaubliche Weite der Wüste. Es gab dort nichts außer bizarre Felsberge und die Anden in der Ferne, die aussahen, als hätte man sie mit blassen Farben auf eine Tapete gemalt. Bei dem Anblick stellte ich mir vor, ich wäre der einzige Mensch auf der Welt. Dieser Gedanke verflog schnell, als wir am Salzsee ankamen, denn dort tummelten sich bereits viele Menschen. Auch wir gingen in das sehr kalte und sehr salzige Wasser. Das Salz war sehr hartnäckig. Es brannte nach dem Abtrocknen wie kleine Stecknadeln auf der Haut. Bevor wir uns auf den Rückweg machten, entdeckten wir eine Bande Flamingos, die sich ganz wohlzufühlen schienen im Salzwasser.

IMG_0584aMorgens um 4 Uhr des darauffolgenden Tages mummelte ich mich bei minus 12 Grad mit vier übereinandergezogenen Pullovern und einer Decke in den Bus. Der brachte uns auf unserer zweiten geführten Tour auf eine Höhe von 4000 Metern (2000 Meter höher als San Pedro) zu den Geysiren von El Tatio, die während des Sonnenaufgangs besonders aktiv sind. Die Geysirlandschaft sah noch außerirdischer aus, als das anfangs beschriebene Valle de la Luna. Überall blubberte, dampfte und zischte es. Große Nebelwolken und heißes Wasser sprudelten aus kraterartigen Löchern im Boden. Hier störten mich die vielen Menschen um mich herum ausnahmsweise mal garnicht. Vielmehr passten sie super in mein Bild. Sie sahen aus wie Silhouetten, die wie Außerirdische durch die vernebelte Dampfwolkenlandschaft stapften. Trotz der Kälte schlüpfte ich aus meinen 4 Pullovern und tauchte kurz in das warme Thermalbad im Freien zu den anderen Außerirdischen.

IMG_0642aErschöpft von den Touren und Eindrücken in der Wüste wollte ich eigentlich noch einen weiteren Tag in San Pedro bleiben um mir nichts anzugucken und nichts zu unternehmen. Doch für den nächsten Tag hatten wir eine 3-tägige Jeeptour zum Salar de Uyuny gebucht, die ich nicht mehr verschieben konnte. Also fuhr ich mit den anderen am nächsten morgen in das zweite Land auf meiner Reise, nach Bolivien.

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Wieder zurück (Santiago de Chile2)

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Da war ich also wieder, zurück in der Stadt Santiago de Chile, in der ich schon einige Zeit verbracht habe und in die ich auch nicht das letzte Mal zurückkehren werde. Am Samstag, den 12. Juli, lief ich mit meinem Rucksack wieder durch die Straßen von Santiago. Von der Metrostation kannte ich den Weg zum Hostel bereits im Schlaf, auch wenn ich diesmal ein Bett in einem anderen Hostel gebucht hatte. In diesem Hostel war ich vor ungefähr zwei Wochen als Besucherin und habe dort den abend nach meinem Raub verbracht.

Kurz nach meiner Ankunft im Hostel lernte ich Emily aus England kennen, die bei mir im Zimmer schlief. Sie sagte, dass ich abends in den Empfangsraum kommen soll, weil da wohl immer was los sei. Ich kaufte eine Flasche Wein und setzte mich dort abends auf die Couch. Neben mir saß ein Typ aus Australien, der sich mir sofort vorstellte (dessen Namen ich aber wieder vergessen habe). Es wurden die typischen Antworten auf folgende Fragen ausgetauscht: Wie heißt du? Wo kommst du her? Wie lange bist du schon da? Wo willst du hin?

Kurz danach setzte sich Brian aus den USA neben mir auf die andere Seite und löcherte mich mit allen möglichen Fragen. Er war gerade mal Anfang 20 und hat auf dem College eine Arbeit über das Bildungssystem in Deutschland geschrieben. Darüber haben wir eine ganze Weile philosophiert, bis Annalena und Fabian sich dazugesellten. Die beiden kamen aus…Hannover. Wer hätte das gedacht. Emily wollte unbedingt tanzen gehen und motivierte alle im Raum zum allgemeinen Aufbruch. Gemeinsam gingen wir in einem Club, in dem wir zu schlechter Musik fröhlich durch die Nacht tanzten.

IMG_0360aAm nächsten Tag war es dann soweit: Das Finale Deutschland gegen Argentinien. Eigentlich wollte ich meine Sachen waschen, aber ich wurde von Emily aufgehalten, die sagte: „Wo bleibst du denn? Wir gehen jetzt in eine Bar und gucken das Spiel.“ Ich wußte nicht, dass das Spiel schon um 14 Uhr beginnt, schmiss meinen Wäschebeutel in die Ecke und ging mit. In der Bar lernte ich Marie kennen. Sie war eine deutsche Austauschstudentin und hatte sogar Farben dabei, mit denen wir uns die Deutschlandfahne auf die Wangen malten. Es war etwas seltsam das Spiel in einem anderen Land zu sehen, wo nur vereinzelt andere Deutsche begeistert dem Sieg entgegenfieberten. Das mit den aufgemalten Fahnen auf den Wangen hat offensichtlich funktioniert, denn Deutschland wurde Weltmeister. Nach dem Spiel fand sich eine kleine Gruppe aus Deutschen und Chilenen zusammen, die das Ereignis feiern wollten. Obwohl ich noch müde vom Vortag war, ging ich mit. Einen ganzen abend lang saßen wir draußen auf Bänken vor einer Bar am Straßenrand, tranken Bier, aßen Pommes und unterhielten uns über Döner, Rammstein (die einzige bekannte Band aus Deutschland in Chile), Reisen und über viele andere Dinge aus Deutschland und Chile. Wir sprachen über alles andere außer Fußball und landeten am Ende auf einer Raggaeton-Party. Dort verwandelte sich die vorher unscheinbare Michelle aus Santiago in eine zauberhafte Tänzerin und zeigte mir wie man in Chile zu Raggaeton die Hüften schwingt.

Da am Montag die deutsche Botschaft für Besucher geschlossen hatte, konnte ich erst am Dienstag dorthin. Das war der eigentliche Grund, warum ich wieder nach Santiago zurückgekommen war. Ich brauchte einen richtigen Pass, damit mein Work & Travel Visum für Neuseeland weiterhin gültig ist. Als ich den Raum betrat, blinkte die Nummer 18 über dem Schalter. Ich hielt die gerade gezogene Nummer 50 in meiner Hand und stelle mich auf eine längere Wartezeit ein. In der Zeit beobachtete ich die Leute, die in Chile zur deutschen Botschaft gekommen waren. Da gab es zum Beispiel eine ältere Frau, die wohl recht wohlhabend war und sich mit einer anderen Frau unterhielt. Sie ist damals aus Deutschland nach Chile eingewandert, hat einen chilenischen Mann geheiratet und hatte ihre feine Leggings falschherum angezogen. Kurz darauf kam ihr bereist erwachsener Sohn dazu. Er unterhielt sich kurz mit mir. Dann waren die Beiden an der Reihe. Sie wollten ihren chilenischen Pass verlängern. Die Mutter hatte das Wort, der Sohn stand nickend daneben. Da ich mir weiterhin die Zeit vertreiben musste, blätterte ich in einem Heft, das Deutschland und seine Wirtschaft vorstellte. Unter anderem wurde über Volkswagen als sehr nachhaltiges Unternehmen berichtet. Das warf mich für kurze Zeit in die Vergangenheit zurück und ich legte das Heft zur Seite. Nach einer kleinen Ewigkeit blinkte endlich die Nummer 50 über dem Schalter eins. Ich erläuterte mein Anliegen, füllte Formulare aus und hatte eigentlich noch ein paar Fragen. Doch die chilenische Dame hinter der Schalterscheibe sagte: „Ich muss jetzt Pause machen.“ und ging einfach. Ich war etwas verdutzt, da die Beamten in Chile die Arbeitszeiten wohl noch genauer nahmen als in Deutschland. Da anscheinend auch alle ihre Kollegen bereits pünktlich ihre Pause machten und ich die Letzte war, ging auch ich.

Mit Marie und ihrem chilenischen Freund Jonathan kaufte ich am selben Tag Bustickets nach Stan Pedro de Atacama, eine Wüstenoase im Norden von Chile. Die beiden halfen mir außerdem mit ihren Spanischkenntnissen eine neue Touristenkarte, die eigentlich eher ein Touristenzettel ist, von der Polizeistation in Santiago zu besorgen. Die Karte wurde mir auch beim Raub gestohlen und ist sehr wichtig für die Ausreise. Nach einer weiteren durchtanzten Nacht mit den Leuten aus dem Hostel befand ich mich mit Marie am Mittwoch, den 16. Juli auf einer 24-stündigen Busfahrt nach San Pedro de Atacama. Auf dem Bild seht ihr die Verpflegung für die Fahrt: Ein Päckchen Orangenkonzentratsaft und ein Päckchen Waffeln.

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In der kunterbunten Stadt (Valparaiso)

IMG_0308bAls ich aufwachte, war es schon dunkel. Es war gerade mal 19 Uhr, aber schon stockfinster. Wie konnte das so schnell passieren? Als ich eingestiegen bin, war es doch noch sonnig und hell. Eigentlich wollte ich zu Fuß vom Busbahnhof zum Hostel laufen. Doch dann bekam ich plötzlich Panik in einer fremden Stadt abends mit meinem großen Rucksack alleine den Weg zum Hostel zu suchen. Das ging mir durch den Kopf als ich im Bus von Santiago nach Valparaiso saß. Ich merkte, dass der Raub seine Spuren hinterlassen hatte.

Der Bus hielt. Wir waren angekommen. Ich entdeckte zwei blonde Menschen im vorderen Teil des Busses. Blonde Menschen sind hier fast immer ebenfalls Reisende. Wie sich herausstellte, war es auch so. Ich fragte sie, wo sich ihr Hostel befindet und ob wir uns ein Taxi teilen wollen. Das hatte schonmal gut geklappt. Der Taxifahrer knöpfte uns zwar etwas zuviel Geld ab, aber ich stand unausgeraubt vor meinem Hostel. Nachdem ich erwartungsvoll auf den Klingelknopf drückte, erschien ein bärtiger Mann an der Tür. Ich sagte ihm, dass ich hier ein Bett gebucht habe. Er meinte daraufhin, dass kein Bett im Schlafsaal mehr frei ist. Und schwups, da war sie wieder, die kleine Panik, die sich von hinten an mich heranschlich. Doch dann nahm mir der bärtige Mann meinen Rucksack ab und brachte mich zu einem anderen Haus. Dort sagte der Besitzer, dass er da wohl was verwechselt hat mit meiner Reservierung. Kurz darauf bot er mir statt dem Schlafsaalbett ein Einzelzimmer zum selben Preis an, das ich dankend annahm. Zusätzlich bekam ich einen Stadtplan, auf dem er mir zeigte, was ich mir angucken kann und in welche Ecken ich besser nicht gehen sollte. Auch diese Informationen nahm ich gerne an, da bei dem Raub auch mein Lonely Planet-Reiseführer gestohlen wurde. Nach fast zwei Wochen in Mehrbettzimmern, war es sehr schön in einem eigenen Zimmer zu schlafen, das zudem auch noch ein flauschig warmes Federbett für die kalten Nächte hatte.

IMG_0037Ich war in Valparaiso, einer bunten, lebhaften Stadt an der Westküste Chiles. Auf einer Stadtführung lief ich durch verwirrende Gassen, entlang bunter Häuser, mit wunderschönen Graffiti und Bildern an den Häuserwänden. Es erschien mir wie ein Labyrinth voller phantasievoller und teilweise absurder Figuren und Muster. Die Stadt erstreckt sich bis hoch in die Berge. Viele bunte Treppenstufen oder alte Gondeln führen in die oberen Winkel der Stadt. Eigentlich sind Grafitti in Valparaiso verboten, erzählt das Mädchen, das die Leute durch die Stadt führt. Doch hier kann jeder sein Haus so gestalten und anmalen, wie es ihm gefällt. Das erinnert mich irgendwie an Pipi Langstrumpf und gefällt mir sehr gut.

IMG_0128Auf der Führung traf ich die beiden blonden Menschen wieder, mit denen ich mir ein Taxi geteilt habe. Kevin kommt aus den Staaten und Tara aus Australien. Sie reist und lebt schon seit 7 Jahren überall auf der Welt. Mit den blonden Menschen und einigen anderen Leuten, die an der Führung teilgenommen haben, traf ich mich später in einem Restaurant um wiedermal Bistec a lo pobre (Pommes mit Fleisch, Zwiebeln und Spiegeleiern) zu essen und dabei das Spiel Deutschland gegen Brasilien zu gucken. Alle waren ganz aus dem Häuschen als bereits in der ersten Halbzeit schon fünf Bälle in das brasilianische Tor flogen. In der Halbzeitpause wechselten wir in eine Bar und es hagelte ansxchließend noch mehr Tore. Ich war die einzige Deutsche in der Gruppe. Alle klopften mir begeistert auf die Schulter und wollten mit mir anstoßen. Klar, ich freute mich auch, ist ja schließlich mein Heimatland, das gerade so unfassbar haushoch gewonnen hatte. Letztendlich war es für mich aber hauptsächlich ein netter abend in einer Bar.

IMG_0220Ich blieb noch ein paar Tage in Valparaiso und in dem Einzelzimmer mit dem bequemen Bett. Stundenlang rannte ich durch die Stadt mit den bunten Häusern und machte Fotos mit meiner neuen Kamera. Dabei ging ich die ganze Zeit sehr zügig, damit ich keinen orientierungslosen Eindruck erweckte und nicht wieder wie das perfekte Raubopfer aussah Irgendwann kam ich an einem Friedhof vorbei. Friedhöfe in anderen Ländern finde ich sehr spannend. Da kann man sehen, wie die Leute in dem Land heißen, wie die Gräber geschmückt sind und die Trauerkultur in dem jeweiligen Land erahnen. Also ging ich hinein. Teilweise sehr pompös waren die Grabstellen dekoriert, mit kleinen Fotos und manchmal sogar Puppen und anderem Spielzeug. Auf einmal rief jemand meinen Namen. Es war Laurence aus Frankreich, die ich in Santiago im Hostel getroffen habe. Sie war mit zwei anderen Reisenden unterwegs und sagte, ich solle abends mit ins Restaurant kommen. Ich fand die Idee super und guckte mich weiter auf dem Friedhof um, während mich eine Katze begleitete. Als ich wieder gehen wollte, stellte ich fest, dass das Tor verschlossen war. Sofort schlich die Panik wieder in mir hoch. Ich malte mir schon aus, dass ich eine kalte Nacht auf einem gruseligen Friedhof in einer fremden Stadt, in einem fremden Land verbringen müsste. Auf der Straße vor dem Tor lief eine Frau vorbei. Ich rief „Hola, Hooolaaa!“ Doch sie hörte mich nicht oder wollte mich nicht hören, weil sie vielleicht dachte ich wäre ein Geist vom Friedhof. Einige Zeit später kam zum Glück der Friedhofmann. Er hatte mich gehört und schloss das Tor auf.

Der abend im Restaurant war sehr schön. Laurence saß mit einem Mädchen aus Ecuador und einem Jungen aus Frankreich bereits am Tisch, als ich hereinkam. Wir machten Witze darüber, dass ich statistisch gesehen nach dem Raub jetzt sicher wäre und mit Geldscheinen umherwedelnd durch die Straßen laufen könnte. Nach dem Essen fuhren Laurence und das Mädchen aus Ecuador weiter in Richtung Norden. Ich wäre gerne mit ihnen gefahren, aber ich musste wieder zurück nach Santiago, um einen richtigen Pass zu beantragen. Mein Work & Travel-Visum für Neuseeland gilt nämlich nicht mit meinem vorläufigen Pass. Irgendwie verflixt. Santiago will mich einfach nicht so richtig gehen lassen.

IMG_0152bDer Besitzer des Hostels, in dem ich schlief, hat mich an einem abend zum Essen mit den anderen Hostelmitarbeitern eingeladen und mich überredet noch einen Tag länger zu bleiben, als ich eigentlich geplant hatte. Ich wechselte für die letzte Nacht ins Mehrbettzimmer des anderen Hauses und erkundete weiter die Stadt. Am abend lernte ich die Austauschstudenten kennen, die dort schon für längere Zeit wohnten. Am nächsten morgen frühstückte ich mit zwei Mädels aus der Schweiz und fuhr mit ihnen im Trolebús zum Busbahnhof. Dort nahm ich den Bus zurück nach Santiago, sie fuhren, genau wie Laurence und das Mädchen aus Ecuador, weiter nach Norden in Richtung Atacamawüste.

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Zweiter Versuch (Santiago de Chile1)

IMG_0001bGive it a chance to at least see a good part of Santiago, you´re gonna have a good time.“ schrieb mir Ignacio auf facebook. Ignacio wohnt in Santiago de Chile und er hatte recht.

Santiago de Chile, die Sadt, die mich meiner Wertsachen und meiner Möglichkeit Weiterzureisen beraubt hat. Hier hing ich nun fest und auch mehr oder weniger einfach nur rum. Ich musste ca. 5 Tage auf meinen Pass und Geld warten und mich nach neuer Kamera, neuem Handy und neuem mp3-Player umsehen. Andererseits wurde mir durch das Warten auch Zeit geschenkt. Ich hatte nun eine Woche um mir zu überlegen, wo die Reise hingehen soll. In der Zeit sah ich andere Reisende kommen und gehen. Immer mal wieder musste ich sagen: Nein, ich kann nicht mit euch weiterreisen, ich muss auf meinen Pass warten (und genug Geld hatte ich auch nicht übrig). Irgendwann verging mir dann die Lust mit den Leuten im Hostel zu kommunizieren.

Doch ich hatte unerwarteterweise andere schöne Erlebnisse. Eins davon war meine zweite Besichtigung des San Cristobal Hills, der Ort, an dem es passierte. Bis nach ganz oben hatte ich es ja beim ersten mal nicht geschafft. Doch ich war fest entschlossen die Stadt noch einmal von dort oben zu sehen. Diesmal nahm ich allerdings die Seilbahn. Auf dem Berg traf ich Camila, die mich bat ein Foto von ihr zu machen. Da ich noch keine neue Kamera hatte und mich auf einem Aussichtspunkt befand, bat ich sie auch Fotos von mir zu machen und sie mir zu schicken. Wir hatten viel Spaß damit uns gegenseitig zu fotografieren. Camila ist eigentlich aus Kolumbien und lebt jetzt mit ihrem Freund in Los Angeles. Sie ist schon viel gereist, bot mir auch gleich ihre Couchsurfing-Couch bei sich zu Hause an und gab mir eine Couchadresse in Neuseeland. Vielleicht werde ich das später einmal nutzen. Abends gingen wir zusammen zur Metrostation. Sie fuhr weiter zum Flughafen, ich ging zurück ins Hostel.

Der Tag als Deutschland gegen Frankreich spielte, war ein Freitag und auch der Tag an dem ich meinen Pass abholen konnte. Mit diesem nigelnagelneuen Pass wollte ich auf dem Rückweg endlich das Geld meiner Eltern bei einer Bank mit Western Union-Transfer einlösen, da meine Kreditkarte noch gesperrt war. Doch ich fand keine Bank, sondern Deutschlandfahnen und lustige Hüte in schwarz rot gelb an einer Häuserecke. Ich sah Menschen hineingehen und folgte ihnen einfach. Am Eingang erfuhr ich, dass es eine Art deutsch-chilenischer Sportclub war, zeigte meinen nigelnagelneuen Pass vor und wurde auch ohne Clubmitgliedschaft reingelassen. Dort fand ich mich nicht nur zwischen der feinen Gesellschaft aus Chile wieder, sondern vor allem zwischen vielen chilenischen Schülern, die Jacken mit der Aufschrift: „Deutsche Schule Santiago“ trugen. In einem großen Raum wurde auf einer Leinwand das Spiel übertragen. Zwei Mädchen erzählten mir, dass der Sportclub zur deutschen Schule in Santiago gehört. Dort lernen die Schüler deutsch als erste Fremdsprache, können das Abitur machen und einen Schüleraustausch in Deutschland. Viele ihrer Vorfahren sind aus Deutschland nach Chile eingewandert. Besonders im Süden des Landes gibt es viele deutsche Kolonien. Das alles erfuhr ich, während ich mich mit den chilenischen Mädchen ganz bequem auf deutsch unterhalten konnte. Nach zwei Wochen nur Englisch und gebrechlichem Spanisch war das mal ganz angenehm. Die Mädchen haben mich nach dem Spiel sogar noch ein Stück in ihren Auto mitgenommen, natürlich in einem VW. Später erzählte mir allerdings ein Chilene, dass die feine deutsch-chilenische Gesellschaft Chilenen ohne Mitgliedschaft und deutschen Pass dort nicht reingelassen, um WM-Spiele zu sehen.

Ich blieb auch noch das Wochenende in Santiago, da Ignacio mir helfen wollte eine neue Kamera zu kaufen und mich auf eine Geburtstagsparty eingeladen hat. Ignacio kenne ich eigentlich nicht persönlich. Wir haben einen gemeinsamen Freund aus Irland, der uns über facebook bekannt gemacht hat. Er hat mich in ein riesiges, verwirrendes Einkaufszentrum mitgenommen und alle meine Fragen zu Kamera und Handy für die Verkäufer auf Spanisch übersetzt. Das war sehr hilfreich. Allerdings ist die Sache mit dem Handy schwierig, da nur die teuren Handys für Auslandsgespräche geeignet sind. Jedenfalls hab ich jetzt wieder eine neue Kamera und ein billiges, einfaches Handy, dass ich irgendwie noch für Gespräche nach Deutschland entsperren lassen muss.

Nach der Einkaufsmission ging es auf eine Geburtstagsfeier seines Freundes. Zur Begrüßung gibt man sich hier ein Küsschen auf die Wange, auch wenn man sich nicht kennt. Da sehr viele Gäste kamen, gab es Küsschen ohne Ende. Am Anfang war das etwas gewöhnungsbedürftig, da ich mir nicht sicher war welche Wange ich spontan hinhalten sollte. Mittlerweile finde ich das Wangenküsschen aber im Vergleich zur deutschen Förmlichkeit eine sehr herzliche Begrüßung. Auf der Party war ich das einzige blonde Mädchen und kam als einzige von sehr weit her. Zum Glück konnten ziemlich viele Gäste Englisch. Sie haben mich gefragt, warum ich in Chile bin, wohin ich reise, warum ich alleine reise und ob es in Santiago auch ein bißchen so ist wie in Deutschland. Ich musste einige Gläser Piscola (Pisco mit Cola) trinken, um ihnen zu zeigen, dass ich ihr Lieblingsgetränk mag und mich bei ihnen wohlfühle. Das war ihnen sehr wichtig und hat auch bestens funktioniert. Das zweitliebste Getränk auf der Party war übrigens Jägermeister. Salute!

Nach einem faulen Sonntag, habe ich mich dann am Montag (07.07.2014) nach fast zwei Wochen aus Santiago wegbewegt und bin für 5 Tage nach Valparaiso gefahren, eine kunterbunte Stadt an der Westküste. Dazu mehr im nächsten Beitrag mit vielen kunterbunten Fotos. Leider bin ich etwas im Rückstand.

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Schwein gehabt!

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Der Beitrag heißt eigentlich nur so, weil das Foto mit den Schweineköpfen in einer Markthalle in Santiago fast das einzige Foto ist, das ich aus Santiago noch habe. Die anderen Fotos sind auf der Kamera, die mir samt Reisepass, Handy, MP3-Player, Kreditkarte und Bargeld am dritten Tag meiner Reise geklaut wurden. Das mit dem Schwein haben ist also so eine Sache für sich.

Mittlerweile haben sich die Dinge hier so langsam geklärt und ich hab den Kopf frei für meinen ersten Blogeintrag. Doch bevor ich von dem Raubüberfall berichte, möchte ich einen kurzen Überblick über die Highlights meiner ersten Woche in Santiago de Chile geben: Ich habe kurz nach meiner Ankunft ein chilenisches Mädchen getroffen, das mir nach einem nur fünfminütigem Gespräch ihre Nummer gab und mir anbot mich in der Stadt herumzuführen. Ich bin mit 3 Polizisten und einem Iren in einem Polizeiauto quer durch Santigo gefahren. Ich habe ein wunderschön illustriertes chilenisches Kinderbuch in einem kleinen Buchladen gefunden. Ich habe mit dem Hostelhausmeister lustige Gespräche geführt, trotz meiner sparsamen Spanischkenntnisse und dank meiner gesprächigen Händen und Füßen. Ich habe chilenische Männer beim Public Viewing nach der Niederlage gegen Brasilien weinen sehen. Ich habe Piscola getrunken (ein Mix aus Pisco und Cola) und Bistec a lo pobre (Steak, Pommes, gebratene Zwiebeln und Spiegeleier) gegessen, das ich mindestens 2 Tage verdauen musste.

Ich habe viele nette Reisende aus den verschiedensten Winkeln der Welt getroffen, unter anderem einen 2 Meter großen Iren, mit einem individuellen Haarschnitt, eine Konzertflötistin und ihr CrossFit-begeisterter Freund aus St. Louis, ein junges amerikanisches Pärchen, das verrückt nach Fussball war, eine brasilianische Lehrerin, die mir die schäbigen Winkel Santiago gezeigt hat, eine Dokumentarfilmstudentin aus Kolumbien, die sogar mal was von der Militärstation in der Nähe von meinem Heimatort Jatznick gehört hat und eine Gruppe Engländer, die sich nach dem Raubüberfall rührend um mich gekümmert hat.

Und dann war da dieser sonnige Nachmittag, an dem die Stadt ausnahmsweise mal nicht von einer großen Smogwolke bedeckt war und man sogar die Anden in der Ferne sehen konnte. Ein perfekter Tag um den San Cristobal Hill zu besichtigen. Nach dem superfettigen Bistec a lo pobre beschloss ich nicht die Seilbahn zu nehmen, sondern zu Fuss nach oben zu wandern. Auf der Hälfte des Weges, als gerade keine anderen Leute in der Nähe waren, kamen zwei Jugendliche aus den Büschen und haben meinen Stoffbeutel geschnappt und mir meine Gürteltasche runtergerissen. Ich war wie gelähmt und ließ sie einfach machen. An den Tagen vorher haben mir mehrere Reisende von Überfällen erzählt, bei denen Leute erstochen wurden, die sich gewehrt haben. Das schwirrte mir die ganze Zeit im Kopf herum während ich meine komplette Reisegrundlage davonlaufen sah. Danach rannte ich auch sofort davon, aber wieder bergab. Zum Glück traf ich auf eine Gruppe Engläner und einen Iren, die ich am Tag vorher kennengelernt habe. Sie alle haben mir sehr geholfen. Komischerweise endete der Tag mit einem schönen abend in einer Bar.

Doch gleich am nächsten Tag nahm das Chaos seinen Lauf: Die deutsche Botschaft hatte am Wochenende geschlossen. Da der Überfall am Freitag passierte, musste ich bis Montag warten. Ich hatte zum Glück eine zweite Kreditkarte dabei, leider aber nicht den richtigen Pin. Den falschen Pin habe ich dann so oft eingegeben, bis die Karte für eine Woche gesperrt wurde. Die Botschaft kann den Pass auch nach drei Tagen nicht ausstellen, weil sie keine Antwort aus Hannover erhält. Mein letztes Bargeld wird langsam knapp und ich hänge in Santiago fest. Meine Eltern schicken mir Geld zu einer Bank, dass ich aber nur abholen kann, wenn ich meinen Pass endlich habe. Ich gucke in einem Laden nach Kameras und erfahre vom Verkäufer, dass sie nur ohne Akku und Kabel verkauft werden. Außerdem ist nicht klar, ob ich mit dem vorläufigen Reisepass auch in Neuseeland einreisen kann.

Heute habe ich endlich die Antwort von der Botschaft erhalten, dass ich morgen meinen Pass abholen kann. Es klärt sich alles so langsam und meine Basisstation in Jatznick ist mir dabei eine große Hilfe. Und naja…mir ist letztendlich nichts passiert und alle anderen Sachen kann ich ersetzen. Ich habe eigentlich doch irgendwie Schwein gehabt und werde weiterreisen.

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