Die Obstpause (Puno1)

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Wenn man jeden Tag Torte ißt, hat man irgendwann keine Lust mehr auf Süßes. So ging es mir so langsam mit dem Reisen nach 2,5 Monaten. Ich war etwas erschöpft von den ganzen Eindrücken. Vielleicht lag es auch an der Stadt, in der ich mich gerade befand. Überall aufgerissene Straßen, an denen gebaut wurde. Zudem waren die Baustellen nach dem Regen voller Matsch. Es sah aus, als ob jemand eine matschige Schokotorte überall hingeschmiert hatte.

Die Stadt wirkte triste und dreckig. Das war mein erster Eindruck von Puno, das auf der peruanischen Seite des Titicacasees lag. In der Stadt gab es nicht viel zu sehen, außer einer Straße mit vielen Geschäften für Touristen und einen Plaza. Die Hauptattraktion waren die Floating Islands, die man von dort aus mit dem Boot besuchen konnte. Diese Inseln waren komplett aus Schilf gebaut, die Häuser und die Boote auch. Nur die Menschen, die darauf wohnten, waren nicht aus Schilf. Eigentlich ziemlich abgefahren, allerdings auch extrem überflutet von Touristen, wie ich hörte. Darauf hatte ich in dem Moment keinen Appetit. Aber ich probierte zum ersten Mal die Inka Cola hier. Die schmeckte wie Gummibärsaft.

IMG_3221_aIch wollte einfach nur ein bisschen herumhängen, nichts angucken, keine Tour machen und auch nicht immer die gleichen Fragen der anderen Reisenden beantworten oder stellen. Ich wollte einfach mal Obst essen, statt ständig Sahnetorte. Das funktionierte in dem Hostel, in dem ich untergekommen war, ganz gut. Es war ein kleines Familienunternehmen mit wenig Gästen.

IMG_3204_aAb und zu ging ich doch einfach ziellos durch die Straßen und konnte unerwarteterweise, ohne danach zu suchen, kleine Obststücke entdecken. Ich kam zum Beispiel an einem Platz vorbei, auf dem die Cholita-Frauen mit den Kindern und den älteren Herren zusammen Fussball spielten. Dann beobachtete ich auf dem Marktplatz beim Mittagessen ein lockiges, dunkelblondes Mädchen, dass sich auf Spanisch mit einer einheimischen Frau unterhielt. Die Frau wollte wiedermal ihre Haare anfassen und hat sie letztendlich zu sich nach Hause eingeladen. Ich unterhielt mich mit dem einheinischen Mädchen neben mir und wir schmunzelten gemeinsam über das Mädchen mit den Locken und die Frau.

Das lockige Mädchen hieß Cassandra und war aus Australien. Mit ihr verbrachte ich den Rest des Tages. Wir kamen am abend zufällig am Plaza und der Kirche vorbei, wo gerade ein Fest zu Ehren irgendeiner Jungfrau stattfand. Es gab ein Feuer vor der Kirche, um das sich die Menschen versammelt hatten. Ein CD-Player spielte laute Musik. Leute verteilten einfach so kleine Gebäckstücke, ein leckeres glühweinartiges Getränk und Pisco (Nationalschnaps in Peru und Chile). Dann begannen die Menschen vergnügt um das Feuer zu tanzen und nahmen mich und Cassandra an die Hand, damit wir auch mitmachten. Das war sehr lustig.

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IMG_3162_a_Cassandra erzählte mir, dass sie auf dem Weg nach Bolivien war, um ihr Visum zu erneuern. Danach wollte sie zurück nach Cusco in Peru, weil sie dort einen peruanischen Freund (=boyfriend) kennengelernt hatte. Später im Hostel lernte ich Luna aus Dänemark kennen. Sie war Anfang 20, arbeitete in einem Freiwilligenprojekt in Cusco. Mit ihr machte ich dann doch eine Tour zu einem Inkafriedhof. Luna erzählte mir ebenfalls, dass sie in Cusco einen peruanischen Freund hatte. Ich war etwas verblüfft über den Zufall und dachte: ‚Was ist denn da los in Cusco?‘ Das sollte ich bald herausfinden, denn auch mein nächstes Ziel auf meinem Reiseplan war Cusco.

IMG_3177_aInkafriedhof

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2 Gedanken zu “Die Obstpause (Puno1)

  1. Pingback: Ein schwimmendes Tortenstück aus Schilf | über unterwegsüber unterwegs

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